Queen Elizabeth II. als Ikone der Beständigkeit
Warum mich ihr Porträt nicht losgelassen hat
Ich kann nicht behaupten, dass ich je eine besondere Nähe zur Monarchie empfunden hätte. Auch Starkult war mir fremd – als Teenager ebenso wie heute. Die Geschichten über Königshäuser erreichten mich eher beiläufig, über Zeitschriften bei meiner Großmutter oder über mediale Randnotizen. Einen Prinz heiraten zu wollen kam mir jedoch nie in den Sinn. Vielleicht war ich schon damals zu realistisch. Aus heutiger Sicht sage ich: ist auch besser so.
Und doch hat mich Queen Elizabeth II. nicht losgelassen.
Nicht als politische Figur, nicht als Monarchin im klassischen Sinne – sondern als Bild. Als Gesicht einer Rolle, die über Jahrzehnte hinweg für etwas stand, das in unserer Zeit selten geworden ist: Beständigkeit.
Queen Elizabeth II. – zwischen öffentlicher Rolle und menschlicher Nähe
Der Tod von Queen Elizabeth II. war dann keine mediale Randnotiz mehr. Besonders rund um den Tod von Queen Elizabeth II. war ihr Bild allgegenwärtig. Man konnte sich dieser medialen Dichte kaum entziehen.
Was mich in diesen Tagen besonders berührt hat, waren nicht die großen Zeremonien oder repräsentativen Auftritte, sondern Aufnahmen, die sie verletzlich zeigten. Momente, die beinahe privat wirkten. Bilder, in denen plötzlich etwas Menschliches sichtbar wurde – jenseits der Rolle.
Diese Bilder haben meine Wahrnehmung verändert. Sie haben mein Interesse geweckt und eine Frage aufgeworfen, die mich seither begleitet:
Wofür stand diese Frau eigentlich – jenseits von Institution und Tradition?
Die Queen als Ikone der Beständigkeit
Queen Elizabeth II. war über Jahrzehnte eine Projektionsfläche. Für Stabilität. Für Pflichterfüllung. Für Kontinuität in einer Welt, die sich immer schneller verändert.
Sie trat nie privat auf – und genau darin lag eine besondere Form von Konsequenz. Persönliches blieb zurückgenommen, fast unsichtbar. Ihre Rolle war nicht Ausdruck individueller Befindlichkeit, sondern Dienst an einer Aufgabe. Dieses Maß an Zurückhaltung und Disziplin erscheint heute fast fremd.
Gerade deshalb empfinde ich sie als Ikone der Beständigkeit.
Warum Queen Elizabeth II. ein Motiv für zeitgenössische Porträtmalerei ist
Ich male nicht häufig bekannte Persönlichkeiten. Umso bemerkenswerter ist es für mich selbst, dass ich mich diesem Porträt gewidmet habe.
Während der Berichterstattung rund um ihre Beerdigung überfluteten Bilder die Medien. Bilder sind meine Nahrung. Ich sammle sie, betrachte sie, beobachte sie – immer auf der Suche nach jenem einen Moment, der mich innehalten lässt. Ein, zwei Fotografien wanderten in meinen Fundus. Eine davon ließ mich nicht los.
Ein Jahr später war der richtige Moment gekommen. Ich wollte nicht ein Abbild schaffen, sondern eine Atmosphäre einfangen. Die stille Präsenz. Die Konzentration. Die Rolle.
Die roten Lippen – Farbe als bewusstes Zeichen
Das Foto, das meiner Arbeit zugrunde liegt, war beinahe farblos. Blass. Zurückgenommen. Bis auf ein Detail: die roten Lippen.
Als ich eingeladen wurde, mich für die Ausstellung „Rot im Quadrat“ zu bewerben, war dieses Detail der Anknüpfungspunkt. Typischerweise spiele ich in meiner Malerei kaum mit Rot – eine Beobachtung, die mir selbst erst mit der Zeit bewusst geworden ist. Über meine bewusste und unbewusste Farbwahl habe ich an anderer Stelle ausführlich geschrieben.
Hier jedoch erschien mir Rot zwingend. Nicht als lauter Akzent, sondern als Zeichen. Als Konzentration. Als Fokus.
Lippenstift als Werkzeug und Titelgeber
Es lag nahe, das Bild nach dem Lippenstift der Queen zu benennen. Ich fragte mich, ob es eine feste Marke gab, eine bestimmte Farbe – fast so ikonisch wie ein Parfum. Tatsächlich ließ sich darüber wenig Konkretes finden.
Vielleicht liegt gerade darin die Kraft dieses Details: Es ist weniger individuell als funktional. Ein Werkzeug innerhalb einer Rolle. Ein wiederkehrendes Element, das zur Bildsprache wurde.
Was dieses Porträt erzählen soll
Dieses Porträt ist kein Denkmal. Es erhebt keinen historischen Anspruch. Es ist eine Annäherung. Eine malerische Untersuchung von Haltung, Disziplin und Beständigkeit.
Mich interessiert weniger das Ereignis als das Bleibende. Weniger der Moment als die Linie, die sich durch ein Leben zieht. Kunst kann solche Linien sichtbar machen – jenseits von Worten.
Trotzdem ich das Bild letztlich "Blaues Blut" genannt habe, geht dieses Portrait für mich über ihre Rolle und die Insignien hinaus und zeigt sie als Mensch.
Kunst als Zeichen von Haltung
Dieses Gemälde richtet sich an Menschen, die in Kunst mehr suchen als Dekoration. An jene, die sich für Geschichten interessieren, für Werte, für leise Töne. Und für Haltung. Für Bilder, die bleiben und begleiten.
Persönliche Notizen aus dem Labor
Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich die Queen schließlich doch erreicht hat.
Meine Wahrnehmung der Queen ist keine königstreue. Sie ist geprägt von Randmomenten: Zeitschriften bei meiner Großmutter, Medienbildern der 80er Jahre, einer eher skeptischen Distanz zur Monarchie.
Vielleicht genau deshalb konnte ich mich ihr später als Bild nähern – ohne Ehrfurcht, aber mit Respekt vor Ihrer der Rolle, die sie mit Disziplin 70 Jahre lang ausgefüllt hat. Als Gesicht einer Rolle, die sich über Jahrzehnte kaum verändert hat. In einer Zeit, in der Privatheit öffentlich verhandelt wird und Individualität zum Programm gehört, wirkte diese Konstanz beinahe irritierend.
Ich frage mich, ob mich gerade das angezogen hat: diese Mischung aus Distanz und Verlässlichkeit. Etwas, das nicht nach Aufmerksamkeit strebt – und dadurch umso präsenter ist. Fast aus der Zeit gefallen.
Zum Abschluss ein paar
fun facts:
Bei meinen Recherchen, wie z.B. nach der Lippenstiftfarbe, habe ich einiges heraus gefunden, das du vielleicht noch nicht über die Queen gewusst hast...
Der Lippenstift der Queen - ein geniales Werkzeug
Queen Elizabeth II. hatte - nicht überraschend - nicht DEN einen Lippenstift. Im Gegenteil: die Farbe war stets auf das Outfit abgestimmt.
Allerdings bin ich auf eine andere interessante Sache gestoßen, die ihrem Lippenstift eine ganz besondere Bedeutung gibt.
Die Queen besaß die außerordentliche Fähigkeit, sich die Lippen blind nachzuziehen. Sie nutzte dies gezielt als Kommunikationsmittel. So konnte sie ihren Begleitern unauffällig ein Signal senden: Wenn sie sich nicht mehr gut unterhalten fühlte und gehen wollte, zückte sie den Lippenstift und zog sich die Lippen nach. Genial, oder?
Weitere Tricks der Queen
Sie hatte ein paar weitere solcher Tricks auf Lager. Ihre Handtasche spielte dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Je nachdem, auf welcher Seite sie sie abstellte, sandte sie damit ein Signal aus.
Einmal zog sie daraus sogar ein Marmeladenbrot hervor. Kennst du das Paddington-Video? Selbstironie konnte sie auch. Very British. Wenn du Paddington nicht kennst, ist es vielleicht nicht so lustig. Ansonsten kannst du zweieinhalb kurzweilige Minuten hier verbringen.
Dieses Porträt ist Teil meiner fortlaufenden Auseinandersetzung mit Haltung, Rolle und Zeit.
Wenn du Kunst suchst, die nicht dekoriert, sondern begleitet, findest du hier in der Galerie weitere Arbeiten und Hintergründe.
Vielleicht interessiert dich auch, was ich über Audrey Hepburn geschrieben und jenseits des Porträts gefunden habe.
Dieser Artikel wurde am 06.09.2024 erstmals veröffentlicht und 2026 überarbeitet. Am 21.04.2026 wäre Queen Elizabeth II. 100 Jahre alt geworden.
Abonniere mein ‚Laborjournal‘: dann erfährst du sofort, wenn ich dort weitere Bilder präsentiere, meine Werke auf einer Ausstellung zeige oder ein Event im Atelier stattfindet und natürlich wenn ich neue Blogartikel veröffentliche.





